Kontowechsel: Der gesetzliche Service Schritt für Schritt
Inhalt
Was ist der Kontowechsel-Service?
Der Kontowechsel-Service ist ein gesetzlich geregeltes Verfahren, mit dem Kreditinstitute Kundinnen und Kunden beim Wechsel von einem Girokonto zu einem anderen unterstützen müssen. Grundlage ist das Zahlungskontengesetz (ZKG), das Banken verpflichtet, auf Wunsch des Kontoinhabers Daueraufträge, Lastschriftmandate und regelmäßige Ein- und Ausgänge automatisiert vom alten auf das neue Konto zu übertragen.
Der Service ist für Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlos und funktioniert grundsätzlich bei jedem Wechsel innerhalb Deutschlands zwischen zwei Banken, unabhängig davon, ob es sich um Filialbanken oder reine Onlinebanken handelt.
Der Kontowechsel-Service ersetzt nicht die Kontoauflösung selbst, sondern erleichtert den organisatorischen Teil, der bislang viele Menschen vom Wechsel abgehalten hat: das mühsame Zusammensuchen aller Lastschriften, Daueraufträge und Gehaltszahlungen. Wichtig zu wissen ist, dass die neue Bank die Federführung übernimmt, sobald der Kunde ihr eine entsprechende Vollmacht erteilt hat. Die alte Bank ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb festgelegter Fristen alle relevanten Informationen an die neue Bank zu übermitteln.
Wie funktioniert der Kontowechsel-Service?
Der Ablauf des Kontowechsel-Service folgt einem festen, gesetzlich vorgegebenen Zeitplan, der Verbrauchern innerhalb weniger Wochen einen vollständigen Kontowechsel ermöglicht.
- Der Kunde eröffnet zunächst ein neues Girokonto bei der Wunschbank und erteilt dort eine Vollmacht zum Kontowechsel-Service, meist über ein Formular im Online-Banking oder in der Filiale.
- Die neue Bank fordert daraufhin bei der alten Bank alle relevanten Daten an: bestehende Daueraufträge, Lastschriftmandate der letzten 13 Monate sowie eingehende Überweisungen wie Gehalt, Rente oder Kindergeld im gleichen Zeitraum.
- Die alte Bank muss diese Informationen innerhalb von fünf Geschäftstagen an die neue Bank übermitteln.
- Die neue Bank richtet anschließend die Daueraufträge auf dem neuen Konto ein und informiert innerhalb weiterer fünf Geschäftstage alle Zahlungsempfänger, bei denen Lastschriften bestehen, über die neue Kontoverbindung.
- Gleichzeitig werden Arbeitgeber, Rentenversicherung oder Familienkasse über die neue IBAN informiert, sofern regelmäßige Zahlungseingänge erkannt wurden.
- Der Kunde erhält von der neuen Bank eine Übersicht, welche Verträge und Zahlungspartner umgestellt wurden, und kann so kontrollieren, ob alles vollständig erfasst ist.
- Das alte Konto kann anschließend gekündigt werden, wobei ein Puffer von einigen Wochen sinnvoll ist, um Rückbuchungen oder vergessene Zahlungen abzufangen.
In der Praxis dauert der gesamte Prozess je nach Bank zwischen drei und sechs Wochen. Die gesetzlichen Fristen gelten dabei als Höchstgrenzen; viele Institute arbeiten schneller. Der Kunde muss während des gesamten Verfahrens nichts selbst bei einzelnen Vertragspartnern ändern, sofern diese über Lastschrift oder Dauerauftrag laufen.
Für wen ist der Kontowechsel-Service geeignet?
Der Kontowechsel-Service richtet sich an alle, die ihr Girokonto wechseln möchten, aber vom organisatorischen Aufwand abgeschreckt sind. Besonders geeignet ist er für Personen mit vielen laufenden Lastschriften, etwa Familien mit Versicherungsverträgen, Vereinsbeiträgen, Streaming-Abonnements und Ratenzahlungen, bei denen ein manueller Wechsel schnell zwanzig oder mehr Adressänderungen bedeuten würde.
Auch Berufstätige, die von einem teuren Kontomodell zu einem kostenlosen Girokonto wechseln wollen, profitieren, weil der Arbeitgeber automatisch über die neue Kontoverbindung informiert wird und das Gehalt ohne Verzögerung ankommt. Wer innerhalb Deutschlands umzieht und ohnehin die Bank wechseln möchte, weil die neue Filiale näher liegt, findet im Service eine praktische Erleichterung.
Ebenso profitieren Rentnerinnen und Rentner, deren Rentenzahlung automatisch umgeleitet wird, ohne dass sie selbst bei der Deutschen Rentenversicherung tätig werden müssen. Der Service eignet sich zudem für alle, die schlicht wenig Zeit für Bankangelegenheiten haben und einen strukturierten, überwachten Ablauf einem improvisierten Vorgehen vorziehen.
Für wen ist der Kontowechsel-Service weniger geeignet?
Weniger sinnvoll ist der Kontowechsel-Service für Personen, die ein Konto im Ausland eröffnen oder von einer ausländischen Bank zu einer deutschen wechseln, da das Verfahren ausschließlich für Kontowechsel innerhalb Deutschlands gilt.
Auch wer nur ein Zweitkonto zusätzlich zum bestehenden Girokonto eröffnet und das alte Konto weiterführen möchte, benötigt den Service nicht, da keine Übertragung notwendig ist.
Selbstständige und Kleinunternehmer mit komplexen Zahlungsströmen, etwa vielen unregelmäßigen Rechnungseingängen, sollten den automatisierten Abgleich nicht als vollständig verlässlich ansehen, da der Service nur auf Basis der Kontohistorie der letzten 13 Monate arbeitet und einmalige oder seltene Zahlungen leicht übersehen werden.
Wer zudem sehr genau kontrollieren möchte, welche Verträge wann und wie umgestellt werden, empfindet den automatisierten Prozess womöglich als zu wenig transparent und bevorzugt eine manuelle Umstellung Vertrag für Vertrag. Auch bei Gemeinschaftskonten mit mehreren Kontoinhabern kann die Vollmachtserteilung komplizierter werden, was den Ablauf verzögert.
Vorteile
- Der Service ist gesetzlich verpflichtend und kostenlos, sodass Banken ihn nicht verweigern oder in Rechnung stellen dürfen, was Verbrauchern eine verlässliche Grundlage bietes.
- Alle relevanten Lastschriften und Daueraufträge werden automatisch erfasst, wodurch das Risiko vergessener Zahlungen deutlich sinkt gegenüber einem rein manuellen Wechsel.
- Feste gesetzliche Fristen von jeweils fünf Geschäftstagen sorgen für einen planbaren, überschaubaren Zeitrahmen, der Wechselwilligen Sicherheit über den Ablauf gibt.
- Arbeitgeber, Rentenversicherung und andere Zahlungsstellen werden über eingehende Zahlungen automatisch informiert, sodass Gehalt oder Rente ohne Unterbrechung weiterfließen.
- Der Kunde erhält eine schriftliche Übersicht der übertragenen Verträge und kann so kontrollieren, ob wirklich alles erfasst wurde, statt im Ungewissen zu bleiben.
- Der Wechsel zu einem günstigeren oder besser passenden Konto wird erleichtert, was mittelfristig Kontoführungsgebühren oder ungünstige Konditionen vermeiden hilft.
Nachteile
- Der Service erfasst nur Zahlungen der vergangenen 13 Monate, weshalb seltene oder jährliche Lastschriften wie Kfz-Versicherungen leicht übersehen werden können.
- Einmalige Überweisungen oder Zahlungen von Privatpersonen, etwa bei geteilten Rechnungen im Freundeskreis, werden vom automatisierten Verfahren grundsätzlich nicht erkannt.
- Während der Übergangsphase von mehreren Wochen müssen beide Konten parallel mit ausreichendem Guthaben geführt werden, um Rücklastschriften zu vermeiden.
- Nicht alle Zahlungsempfänger reagieren gleich schnell auf die Mitteilung der neuen Kontoverbindung, sodass es vereinzelt zu verspäteten oder doppelten Abbuchungen kommen kann.
- Bei Gemeinschaftskonten oder komplexen Vertragskonstellationen kann die Vollmachtserteilung und Datenübertragung technisch aufwendiger und damit langsamer werden.
Kosten
Der Kontowechsel-Service selbst ist für Verbraucher gesetzlich kostenfrei, da das Zahlungskontengesetz Banken verpflichtet, ihn ohne gesonderte Gebühr anzubieten. Kosten können jedoch an anderer Stelle entstehen, etwa durch die Kontoführung während der Übergangszeit oder durch Gebühren, die beim alten Konto noch anfallen, bevor es endgültig aufgelöst ist.
| Position | Betrag oder Hinweis (Stand 2025) |
|---|---|
| Kontowechsel-Service selbst | kostenlos, gesetzlich vorgeschrieben |
| Kontoführung neues Konto | 0 bis rund 15 Euro pro Monat, abhängig vom Modell |
| Kontoführung altes Konto während Übergang | abhängig vom bisherigen Vertrag, oft weiterhin fällig |
| Kontoauflösung altes Konto | in der Regel kostenlos gemäß § 675h BGB |
| Verspätete Lastschrift wegen Adressfehler | mögliche Rücklastschriftgebühr, meist 5 bis 15 Euro |
Verbraucher sollten das alte Konto nicht sofort nach der Vollmachtserteilung kündigen, sondern erst, wenn die neue Bank die Umstellung aller Zahlungspartner bestätigt hat. Das kann bedeuten, dass für vier bis acht Wochen doppelte Kontoführungsgebühren anfallen, sofern das alte Konto nicht ohnehin kostenlos war. Wer beim Wechsel zugleich auf ein kostenloses Girokonto umsteigt, vermeidet diesen doppelten Kostenpunkt weitgehend.
Risiken
Das größte praktische Risiko beim Kontowechsel-Service besteht darin, dass einzelne Zahlungen trotz automatisierter Übertragung nicht erfasst werden, etwa weil sie seltener als einmal im Jahr anfallen oder von einem Zahlungsdienstleister stammen, der nicht ordnungsgemäß reagiert.
In diesem Fall kann es zu einer Rücklastschrift kommen, die zusätzliche Gebühren und im schlimmsten Fall eine Mahnung durch den Vertragspartner nach sich zieht. Dieses Risiko ist real, aber begrenzt, da die gesetzliche Informationspflicht der Banken die allermeisten regelmäßigen Zahlungen abdeckt.
Ein weiteres Risiko liegt in der Übergangszeit selbst: Wird das alte Konto zu früh gekündigt oder nicht mehr ausreichend mit Guthaben versehen, können Lastschriften platzen, bevor die Umstellung vollständig abgeschlossen ist. Auch technische Verzögerungen bei einzelnen Banken, etwa bei der Übermittlung der Kontohistorie, können den Zeitplan verlängern, ohne dass der Kunde dies beeinflussen kann.
Schließlich besteht ein geringes Risiko darin, dass Zahlungsempfänger die neue IBAN zwar erhalten, aber intern nicht rechtzeitig verarbeiten, was vereinzelt zu doppelten Abbuchungen führen kann, die dann erstattet werden müssen.
Alternativen
- Manueller Kontowechsel ohne Service: Der Kunde informiert jeden Vertragspartner selbst über die neue IBAN, was mehr Kontrolle erlaubt, aber deutlich zeitaufwendiger ist und höheres Fehlerrisiko birgt.
- Doppelführung beider Konten über mehrere Monate: Statt das alte Konto zeitnah zu kündigen, wird es parallel weiterbetrieben, bis sich alle Zahlungsströme von selbst auf das neue Konto verlagert haben, was Sicherheit schafft, aber zusätzliche Gebühren verursachen kann.
- Wechsel nur des Kontomodells bei der bestehenden Bank: Wer lediglich mit den Gebühren unzufrieden ist, kann prüfen, ob die eigene Bank ein günstigeres oder kostenloses Girokonto anbietet, ohne die IBAN und damit alle Verträge wechseln zu müssen.
- Zweitkonto bei einer anderen Bank parallel zum bestehenden Konto: Statt vollständig zu wechseln, wird ein zusätzliches Konto eröffnet, etwa für bestimmte Zwecke, während das Hauptkonto unverändert bleibt und kein Kontowechsel-Service benötigt wird.
Häufige Fehler
- Das alte Konto wird zu schnell gekündigt, bevor alle Lastschriften umgestellt sind, was zu Rücklastschriften und Mahngebühren bei Vertragspartnern führt; sinnvoll ist ein Puffer von mindestens vier Wochen.
- Seltene jährliche Zahlungen wie Kfz-Versicherung oder Rundfunkbeitrag werden übersehen, weil sie außerhalb des erfassten 13-Monats-Zeitraums lagen; ein Blick in die Kontoauszüge der letzten zwei Jahre schafft hier Klarheit.
- Der Kunde verlässt sich vollständig auf den Service und prüft die Übersicht der übertragenen Verträge nicht, wodurch Fehler unentdeckt bleiben; ein Abgleich mit der eigenen Vertragsliste ist ratsam.
- Bargeldreserven oder Daueraufträge für Bargeldabhebungen werden nicht berücksichtigt, da der Service ausschließlich Lastschriften und Überweisungen erfasst, nicht aber Bargeldgewohnheiten.
- Kreditkarten mit eigener Lastschrifteinzugsermächtigung werden manchmal vergessen, da sie nicht immer als klassischer Dauerauftrag erfasst werden und separat umgestellt werden müssen.
- Der Dispositionskredit auf dem alten Konto wird nicht rechtzeitig ausgeglichen, wodurch Zinsen weiterlaufen; wer regelmäßig ins Minus rutscht, sollte vor dem Wechsel auch prüfen, wie sich Dispozinsen senken lassen, um Folgekosten zu vermeiden.
Fazit und Empfehlung
Der Kontowechsel-Service nimmt Verbrauchern den größten organisatorischen Aufwand beim Bankwechsel ab und ist durch das Zahlungskontengesetz rechtlich abgesichert. Wer regelmäßige Zahlungen über Lastschrift und Dauerauftrag abwickelt, sollte den Service in jedem Fall nutzen, statt Verträge einzeln umzustellen.
Wichtig bleibt, das alte Konto erst nach einer Übergangsphase von mehreren Wochen zu kündigen und die Übersicht der übertragenen Zahlungen selbst zu kontrollieren, um seltene oder jährliche Lastschriften nicht zu übersehen.
Wer zusätzlich zu einem günstigeren Kontomodell wechseln möchte, kann den Kontowechsel direkt mit dem Umstieg auf ein kostengünstiges Girokonto verbinden und spart dadurch dauerhaft Gebühren. Für einen reibungslosen Ablauf empfiehlt sich, vor der Vollmachtserteilung die eigenen Kontoauszüge der letzten zwei Jahre durchzusehen, um alle relevanten Zahlungspartner zu erfassen.








